Im Bildungsbereich kann die Künstliche Intelligenz (KI) ein zweischneidiges Schwert sein. Einerseits werden diese Tools in großem Umfang eingesetzt, um Akademiker bei ihrer Arbeit zu unterstützen, z. B. bei der Verhinderung von Plagiaten zur Wahrung der akademischen Integrität und bei der Optimierung des Schreibstils von Lernenden, damit diese ihr volles Potenzial entfalten können. Andererseits entwickelt die KI ihre Fähigkeiten fortwährend weiter und wird zunehmend intelligenter, sodass Lernende zukünftig die Möglichkeiten dieser Tools nutzen können, um qualitativ hochwertige Aufsätze und Beiträge für sich schreiben zu lassen. Sind Bildungseinrichtungen in der Lage, zukünftig mit dieser Herausforderung umzugehen?

Maschinelle Texte, die nicht von menschengemachten zu unterscheiden sind

In den letzten zwei Jahren war das Bildungswesen aufgrund der Covid-19-Pandemie gezwungen, einen rasanten Übergang zum Online-Lernen und -Lehren zu vollziehen – ein Schritt, auf den viele nicht vorbereitet waren. Hinzu kommt, dass es beim Online-Unterricht zu einem massiven Anstieg der Fälle von Betrug und akademischer Unredlichkeit kam. Forscher und Akademiker sind der Meinung, dass dieser Anstieg darauf zurückzuführen ist, dass sich den Lernenden einfache Betrugsmöglichkeiten boten, wie z. B. der Zugang zu Ghostwritern usw. Wenn nun noch KI ins Spiel kommt, könnte der Bildungssektor vor einer noch größeren Herausforderung stehen.

In den letzten Jahren ist die Fähigkeit der KI, Inhalte zu generieren, die denen von menschlichen Autoren ähneln, exponentiell angestiegen. Ein Beispiel dafür ist GPT-3 (Generative Pre-trained Transformer) – ein Sprachmodell, das maschinelles Lernen einsetzt, um Texte zu generieren, die von Menschen verfassten Texten ähneln. Das von OpenAI entwickelte und von Elon Musk mitbegründete GPT-3 ist eines der größten jemals trainierten Sprachmodelle. Ein weiteres Sprachmodell ist die Megatron-Turing Natural Language Generation (MT-NLG), die von NVIDIA in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt wurde. Diese Sprachtransformatoren können unter Verwendung vorab trainierter Algorithmen Texte generieren und hochwertige Aufsätze, Memos und Antworten auf Fragen auf eine Art und Weise liefern, die von einem Menschen verfassten Texten so ähnlich ist, dass sich das Unterscheiden zwischen dem maschinell generierten Text und einem von einem Menschen erstellten Text schwierig gestaltet.

KI – ein Hilfsmittel, das den Lernenden hilft, besser zu schreiben, oder ein Hilfsmittel, das das Schummeln einfacher macht?

Technologie wird im Bildungswesen heutzutage in großem Umfang eingesetzt – und die derzeitige Entwicklung hin zum Fernunterricht hat ihre Anwendung weiter intensiviert. Der technologische Fortschritt hat dazu geführt, dass den Lernenden und der Wissenschaft im Allgemeinen Tools und Produkte zur Verfügung stehen, die das Lernen und Schreiben erleichtern, indem sie den Lernenden helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern und zu verfeinern, und gleichzeitig den Bildungseinrichtungen helfen, die akademische Integrität zu wahren.

Fortschritte bei den maschinellen Sprachgeneratoren könnten andererseits faulen Lernenden helfen, das System zu „betrügen“, sodass sie andere übertreffen können, ohne sich dafür anzustrengen.

Wenn Lehrkräfte keine Möglichkeit haben, von KI geschriebene Texte von tatsächlich von Lernenden verfassten Texten zu unterscheiden, verlieren die derzeit verwendeten Benotungssysteme zudem ihre Grundlage und Legitimität. Außerdem könnte das System in der Praxis unehrliche Lernende belohnen, indem es ihnen ermöglicht, bessere Leistungen als alle anderen zu erbringen.

Die Erkennung von maschinell erstellten Texten stellt zudem eine zusätzliche Belastung für die Lehrkräfte dar, da diese Tools in der Lage sind, Plagiatserkennungssoftware zu überlisten und Texte daher von den Lehrkräften intensiver geprüft werden müssen. Dadurch fehlt ihnen wertvolle Zeit, die sie besser für den Unterricht oder die Zusammenarbeit mit den Lernenden verwenden könnten.

Wahrung der akademischen Integrität in Zeiten der Automatisierung

Angesichts der Tatsache, dass sich das Bildungswesen, wie wir es kennen, recht schnell verändert und von technologischen Fortschritten beeinflusst wird, ist es für die Hochschulen unerlässlich, der Entwicklung einen Schritt voraus zu sein und mit diesen Innovationen Schritt zu halten.

Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis Textgeneratoren zum Mainstream werden und für jeden, auch für Lernende, leicht zugänglich sind (derzeit steht der Code von OpenAI nur ausgewählten Entwicklern über eine API zur Verfügung), sollten Universitäten und Schulen schon jetzt über die Entwicklung effektiver Lösungen nachdenken, um die Herausforderung in den kommenden Jahren bewältigen zu können.

Obwohl mehrere Wissenschaftlerteams erfolgreich Algorithmen entwickelt haben, die bei der Erkennung maschinell generierter Texte helfen könnten, haben diese ihre eigenen Grenzen, und es wird noch eine Weile dauern, bis eine brauchbare Lösung entwickelt wird.

Vorhandene Plagiatserkennungsinstrumente, die heute zur Überprüfung der Echtheit von Dokumenten eingesetzt werden, sind nicht in der Lage, von Computern erstellte Texte zu erkennen. Einer der Gründe dafür ist, dass die KI bei der Texterstellung nicht wirklich plagiiert – ihre Algorithmen greifen auf Ressourcen in ihrer Datenbank zu und produzieren einen Text basierend auf der Art und Weise, wie sie trainiert wurden, um eine Entdeckung zu vermeiden.

Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnte die KI dieses Schlupfloch ausnutzen und es unehrlichen Lernenden ermöglichen, mit Arbeiten durchzukommen, die nicht von ihnen stammen, und die gesamte Prämisse, auf der das Benotungssystem einer Universität und das Bildungswesen im Allgemeinen beruhen, wäre in hohem Maße gefährdet. Ohne eine Lösung für dieses Problem ist es möglich, dass Schulen und Universitäten die Art und Weise, wie sie ihre Lernenden bewerten, überdenken müssen, oder vielleicht ist die Einbeziehung von KI in den Unterricht, wie es Miles Brundage, ein Forscher bei OpenAI, vorschlägt, der Weg in die Zukunft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.